INTERVIEW aus Ausgabe Nr. 06 - RELOAD FESTIVAL
mit Veranstalter André & Maik

Erst einmal ein großes Lob für die bisherige Organisation. Was habt ihr beide für einen Eindruck bisher? Läuft alles gut?

Maik: Wir sitzen hier, also kann es keine Vollkatastrophe sein.(lacht)

André: Im Prinzip hat er Recht. Man hat immer Schmerzen. Es gibt bestimmte Phasen, wie sich so ein Festival aufbaut. Die erste Phase ist, dass es losgeht bis die Bands kommen, bis die Bands spielen. Jetzt haben wir beide Bühnen laufen. Das heißt, jetzt kommen wir so langsam in die Gänge. Wenn jetzt nichts Schlimmes oder Unvorhergesehenes passiert, Wetter, irgendein Unfall oder ein Stromausfall. Obwohl ein Stromausfall, so gesehen, trifft uns nicht so hart, weil wir sehr viele Generatoren haben, die laufen. Aber wir haben einen Haupttrafo. Wenn der ausfällt, wäre das schon blöd.

Maik: Das ist aber im Promillebereich, wenn so etwas überhaupt passieren kann. Wir sind an einem Punkt, wo wir froh sind, dass unsere Umstrukturierung funktioniert hat. Unser Planungsbüro ist umgezogen, die Arbeitsabläufe sind optimiert. Wir haben die 4.000 Leute mehr sauber auf den Platz bekommen, ohne dass es Stress gab. So ist das eben. Der „Sanitätsfunk“ ist mehr oder weniger ruhig.

André: Bis jetzt hat es 200 Versorgungen gegeben. Aber eine Versorgung ist zum Beispiel auch ein Wespenstich. Nur um das mal einzuordnen. Und es gab eine Handvoll Krankenhausfahrten. Aber eigentlich nichts, was über eine gebrochene Nase oder einen Bänderriss im Mosh hinausgeht.

Maik: Aber man muss dazu sagen, dass wir mit unseren 18.000 Leuten eine Kleinstadt sind. Bei uns passiert das Gleiche wie in einer Kleinstadt. Ein bisschen extremer, weil alle gleichzeitig saufen und tanzen. Das ist was anderes. (lacht)

Ihr habt dieses Jahr einen großen Schritt getan und 4000 Tickets mehr verkauft als im letzten Jahr. Gab es einen bestimmten Grund für diesen „Sprung“? Wo wollt ihr in Zukunft mit dem Festival hin?

André: Wir haben ja gewisse Ziele, die wir noch verfolgen. Die sind nicht für jeden Gesellschafter gleich. Mein Ziel war es, unter anderem auch mal Korn hier zu haben. Oder eine gewisse Besucherzahl zu erreichen. Andere sagen vielleicht, ein gewisses Umsatzvolumen zu erreichen. Am Ende des Tages wollen wir aber das Gleiche. Wir wollen Planungssicherheit und eine Rolle spielen. Wenn das jetzt mit Wachstum verbunden ist, ist das so und wir versuchen den Weg mitzugehen. Diese Planungssicherheit kommt auch, indem wir mehr Tickets verkaufen. Weil wir dann wissen, okay, wir haben so einen großen Stamm und wir können auf diese Leute zählen. Und das Geld, was die uns jetzt quasi „geben“, damit können wir planen. Damit können wir Bands buchen. Damit können andere Dinge hier auf dem Platz gemacht werden, etc.

Maik: Gesund wachsen. Nicht mit Gewalt. Wir haben Stammgäste, die kommen seit zehn Jahren und länger. Die sollen sich trotzdem wohlfühlen. Wir müssen hier auf Teufel komm raus nicht jeden Euro raus quetschen. Das geht gar nicht. Wir wussten bis dieses Jahr gar nicht, wie groß das Potenzial des Festivals ist. Wir waren ja in dem Sinne, auf diesem Gelände noch nie ausverkauft. Als wir wussten, wie viele Leute wir hier haben, hätten wir weiterverkaufen können. Ja, hätten wir. Wir haben aber gesagt, wir machen jetzt irgendwann dicht.

André: Das Risiko, dass wir es nicht schaffen war auch da. Aber wir müssen auch sehen, wo unsere Grenzen sind. Was kann das Gelände? Was können wir an Manpower? Wann sind unsere Mittel erschöpft? Wir sind alle einer Meinung, diese Grenzen wollen wir nicht überschreiten. Wir tasten uns da langsam hin.

Maik: Das ist jetzt ein ziemlich großer Schritt und tatsächlich, ging uns der Arsch auf Grundeis in einigen Gewerken.

Um auf eure Bandauswahl und Line-Up Planungen zurückzukommen, habt ihr dieses Jahr mit KORN einen Hochkaräter an Land gezogen. Wer wäre für euch persönlich der „Heilige Gral“, dessen Name ihr auf euren Plakaten stehen haben möchtet?

Maik: Slipknot. (diese Antwort kam in 0.4787 Sekunden)

André: Wirklich? Ist das so? (ganz überrumpelt)

Maik: Es gibt keine Band die meine ungeborene Tochter schon mehr gehört hat. Wenn, dann muss das in den nächsten 2-3 Jahren passieren. Da weiß man ja auch nicht genau, wie lange das noch möglich ist. Ich weiß nicht wie gut die gerade altern…

André: Bei mir ist es tatsächlich Korn. Ich bin jetzt nicht der Hardcore-Fan. Aber das war für mich immer so eine Band, die kitzelt, weil sie exklusiv sind. Die sind nicht oft auf Tour und spielen hier in Europa und nicht auf jedem Festival. Sonst waren sie beim Ring und mal beim Summer Breeze. Damals war es für mich Limp Bizkit, die hatten wir mittlerweile schon zweimal hier. Einer meiner Favorites, den werden wir uns hier nie hinstellen können, ist Metallica. Das ist Quatsch. Also am Ende des Jahres sind wir schon in dem Bereich, wo ich sage, das ist das, wo ich immer hin wollte.

Maik: Warum? Sag niemals nie. Ich persönlich brauche nie die großen Namen. Unser Booker Calvin hat ein sehr gutes Händchen für die Auswahl der Bands. Auch für die Nischen, die es zu bedienen gibt. Eins meiner Highlights war definitiv „Gutalax“. Ich mag so was, in einem großem Festival-Rahmen Akzente zu setzen. Da eskalieren einfach mal 7000 Leute vor der Bühne.

André: So was hatten wir in dem Rahmen auch noch nicht. Bis die bei uns auf dem Plakat aufgetaucht sind, kannte ich die Band gar nicht. Ich habe mich dann damit beschäftigt und muss fairerweise sagen: Was haben wir denn da gemacht? Aber krass, kann man machen.

Man muss dazu sagen, dass wir hier natürlich nicht unser persönliches „CD“-Regal auftreten lassen. Es sind Bands dabei, die wir nicht direkt kennen oder schon mal gehört haben. Da hat wie gesagt unser Booker ein Auge drauf, dass das Line-Up am Ende stimmig ist. Es gibt zum Beispiel auch Bands wo man mitbekommt, dass die hinter den Kulissen einfach richtig toll sind. Auch wenn man die Mucke nicht mag. Oder anders herum. Einige laufen einem schlichtweg gar nicht über den Weg.

Maik: Nenn jetzt bitte bloß keine Namen.

André: Nein, um Gottes willen. Positiv hervorheben muss man die Emil Bulls zum Beispiel. Da ist ne Freundschaft entstanden und wir freuen uns jedes mal richtig, wenn die Jungs mit dabei sind. Heaven Shall Burn haben uns vorhin noch gesagt, dass das Reload eines ihrer Lieblingsfestivals ist. Das ist ein Ritterschlag. Ich persönlich mag auch diese Bands aus meiner alten Hochzeit Life of Agony und Biohazard. Find ich super. Und ich kann spoilern aus dem letzten Jahr InFlames sind super nette Jungs.

Maik: Aber am Ende soll das Line-Up den Leuten gefallen und nicht uns. Klar wollen wir hier und da auch mal etwas haben, was aus der Reihe fällt. Aber es soll kein Zirkus werden.

Eure Top 5 Platten, die jeder zu Hause haben sollte.

André: Also das wird jetzt sehr „Metallica“- lastig: „Master of Puppets“ ist für mich nach wie vor so‘n Ding, was unübertroffen ist. Das zweite Album von Limp Bizkit ist mir auch im Gedächtnis geblieben und ich bin alter „Pantera“- Freund. Iron Maiden gehört auch dazu. Das sind definitiv die Sachen, die hängen geblieben sind.

Maik: 1.„Iowa“ von Slipknot

2. „Best of“ von Cypress Hill

3. „Yellow“ und „Red“ von Baroness

4. Jugdment Night Soundtrack – eine unfassbar gute Platte, bei der Metal Bands mit Rap Genre übergreifend großartige Songs geliefert haben.

André: Übrigens, das hab ich tatsächlich als Schallplatte. Ich hab noch was von Judas Priest, Guns n Roses, Metallica und Iron Maiden.

Der Festivaltag endete mit unserem persönlichen Highlight, dem Auftritt von Heaven Shall Burn, der das Publikum zu einer wahren Eskalation brachte. Unter anderem mit einem Circle Pitt, der sich über das gesamte Infield erstreckte. Das sieht man nicht oft. Das Sahnehäubchen war dann natürlich die Show von KORN. Die Band lieferte optisch und soundtechnisch eine tolle Show ab. Der Platz vor der Hauptbühne war brechend voll und folgte der Musik und den Anweisungen des Frontmanns aufs Wort. Dieser Auftritt war mit Sicherheit ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte des Festivals.

Bereits in der Nacht von Freitag auf Samstag fielen die ersten Tropfen des angekündigten Regens. Das hielt die Besucher aber nicht davon ab, am Samstag und letzten Tag pünktlich vor den Toren des Infields zu stehen und noch einmal alles zu geben. Passend zu den Auftritten der großen Bands und Headliner kam auch die Sonne zum Vorschein und bescherte dem Publikum einen wolkenlosen Himmel am Abend. Von der Death Metal-Band Behemoth, die zum ersten Mal auf dem Reload spielte und eine Bühnenshow ablieferte, die ihresgleichen suchte, über die Urgesteine von Blind Guardian bis hin zum Headliner Amon Amarth, der mit viel Feuer und einem Ausflug in die nordische Mythologie aufwartete, war es ein toller Abschluss des Festivals.

Wir können nur ein absolut positives Fazit ziehen. Die Freundlichkeit und gute Stimmung sowohl bei den Mitarbeitern (darunter 750 freiwillige Helfer), der Reload-Crew, den Jungs von der Security vor der Bühne und am Einlass und bei den Besuchern hätte nicht besser sein können. Natürlich wird es an der einen oder anderen Stelle noch etwas unrund gelaufen sein, aber das gehört dazu. Niemand ist perfekt. Wir werden wieder kommen.

Mehr Infos unter

www.reload-festival.de