
Ob man die bei der BBC erschienene Serie PEAKY BLINDERS gesehen hat oder nicht, man wird mit großer Wahrscheinlichkeit über den Namen „Tommy Shelby“ gestolpert sein. Verkörpert von dem diesjährigen Oscar Preisträger Cillian Murphy („Oppenheimer“ Bester Hauptdarsteller 2024; Hauptrollen in Chris Nolans „Batman“ Trilogie und dem Endzeit-Epos „28 Days Later“) hat er den Mythos um die Figur des berüchtigten Bandenchefs Thomas Shelby zum Leben erweckt. Aber nicht nur er trägt mit seiner Leistung zum Erfolg dieser Serie bei. Auch alle seine Schauspieler Kollegen:innen machten sie zu einer der erfolgreichsten Produktionen der BBC.
Die Story der Serie kurz und knapp:
Thomas Shelby kehrt mit einigen seiner Brüder aus dem ersten Weltkrieg zurück in seine Heimat Small Heath in Birmingham. Dort setzt er sich zum Ziel, seiner Familie mit Glücksspiel, einem Wettbüro und auch „inoffiziellen“ Geschäften zu Ruhm und Reichtum zu verhelfen. Dabei kommt die ganze Härte der 1920er Jahre in der von Stahl und Kohle geprägten Industrie Englands zum tragen.
Auf einer wahren Geschichte basierend gab es hier und da Änderungen in der Darstellung bestimmter Charaktere der Serie. Auch die Tatsache, dass es mehrere Versionen der Geschichte um Tommy Shelby gibt, lässt ein wenig Spielraum zu.
Die epische Stimmung, das eindrucksvolle Set und die Kostüme, sowie die Maskenbilder lassen diese Serie zu etwas ganz Besonderem werden. Der Zuschauer fühlt, schmeckt und riecht die Atmosphäre förmlich, so authentisch werden alle Schauplätze dargestellt. Bei der akribischen Umsetzung der perfekten Bilder darf der Soundtrack natürlich nicht vernachlässigt werden. Alles muss stimmen, um die Serie zusätzlich auf ein anderes Level heben.
Beginnen kann man mit dem Titel Song „Red Right Hand“ von Nick Cave and the Bad Seeds, der soundtechnisch eher an einen modernen Western erinnert, aber dennoch perfekt zu dieser Serie und ihrer Geschichte passt.
Der zweite Song „St. James Infirmary Blues“ von den White Stripes fügt das Bild der „Glücksspiel-Atmosphäre“ zusammen und erinnert an einen verrauchten Saloon.
Mit „The Prowl“ von Mastermind der Black Keys Dan Auerbach bekommt die Serie einen groovigen und modernen Touch. Ein großartiger Song mit gewohnter, auf hohem Niveau performter Gitarrenarbeit.
Bei „Love Is Blinded“ läuft es einem kalt den Rücken herunter. Der Song von Jack White führt einen in die verworrene Gefühlswelt von Tommy Shelby und seinen stetigen inneren Kampf, seine emotionale Maske zu wahren. Gefolgt von „To Bring Me Your Love“ beigesteuert von der Ausnahme Künstlerin PJ Harvey.
Diese ersten fünf Songs kann man als „Vorspann“ des gesamten Soundtracks sehen. Richtig Fahrt nimmt er auf mit „River Styx“ von der Band „Black Rebel Motorcycle Club“. Eine 70er Jahre Rock Nummer, die den Vibe der Peaky Blinders Bande perfekt vermittelt.
Aber das Drama rund um die Beziehung von Tommy und seiner Grace dürfen natürlich auch nicht fehlen. Das fasst der Song „Watt He Wrote“ von Laura Marling perfekt zusammen.
Noch in Watte gepackt von diesem Track bekommt man von der britischen Band Royal Blood förmlich eine Ohrfeige. „Come On Over“ ist einer der erfolgreichsten Songs der Band und dürfte einigen nicht unbekannt sein. Wieder ein passender Track für die zwischendurch blutigeren Szenen der Serie.
„Do I Wanna Know?“ – Will ich es wirklich wissen? Diese Frage stellt sich der Zuschauer bei diversen Situationen in der Handlung ziemlich oft. Daher ist dieser Titel der Band „Arctic Monkeys“ sehr treffend.
Über „Breathless“ von Nick Cave und seine Combo gelangt man über „You And Whose Army“ von Radiohead zu einer nächsten grandiosen Einlage von PJ Harvey. Mit „This Is Love“ kündigt sich in Folge zwei von Staffel drei ein Drama an, womit keiner gerechnet hat und was Tommy in seinen Grundmauern bis zum aktuellen Ende der Serie tief verändert.
Ein Hochkaräter jagt den nächsten. Die Band um Josh Homme „Queens Of The Stone Age“ steuern ebenfalls einen Track bei. Mit „Burn The Witch“ schlägt die amerikanische Band ebenfalls in die Kerbe von Royal Blood und den Arctic Monkeys.
Über „The Last Shadow Puppet“ von Bad Habits kommt man zu einem der Highlights der Songauswahl des Soundtracks. „Lazarus“ von keinem geringeren als David Bowie, der mit großer Begeisterung die Serie verfolgt hat. Er lies den entsprechenden Verantwortlichen eine pre-release Kopie von seinem finalen Studio Album zukommen und ihnen gleichzeitig völlig freie Hand, welcher Song denn am besten passen würde.
Weiter geht es mit den Songs von Savage, Rachel Unthank & The Winterset sowie Frank Carter & The Rattlesnakes, die mit dem Titel „Devil Inside“ den Zuschauer auch akustisch erschüttern. Eine kräftige Tracht Prügel für die Ohren – ganz im Sinne der Peaky Blinders.
„Sanke Oil“ von den Foals, „Pyramid Song“ wieder von Radiohead, „A Hard Rain’s A-Gonna Fall“ führen mit ihrem Mix aus Melancholie, Verzweiflung und Kontrollverlust perfekt durch die Handlung.
Welche aus England stammende Band darf in dieser Serie absolut gar nicht fehlen?
Black Sabbath werfen hier mit „The Wizard“ aus dem Jahr 1970 ihren Hut in den Kampfring. Wie gut kann ein Song nur zu dieser Atmosphäre, der Attitüde und diesem Auftreten der Familie Shelby und deren Kampf um Macht, Reichtum und Erfolg passen.
Komplettiert wird der Soundtrack von Joy Division, „Atmosphere“, Jenny Beth „I’m The Man“ und IDLES „Never Fight A Man With A Perm“. Ein Song, der so realistisch die puren Gewaltausbrüche in vielen Szenen unterstreicht und auch den Zuhörer/Zuschauer förmlich anheizt.
Der Closer „Ballad Of A Thin Man“ von Richard Hawley fasst die Stimmung der Bilder und der Handlung zusammen.
Der Soundtrack umfasst die Songs der ersten fünf Staffeln und ist mittlerweile sehr bekannt, nachdem die Serie ihren Durchbruch bei Netflix hatte. Und um das Ganze mit Tommy Shelby’s Worten abzuschließen: „You can change what you do, but you can’t change what you want“.