Rezension aus Ausgabe 7 - WEITE

DUNKLE MATERIE - Zurück zu den Wurzeln des Grunge

Das zweite Album der Band WEITE entführt den Hörer in eine vielschichtige und abwechslungsreiche Welt. Insgesamt sechs Tracks sind auf dem Album zu finden. Diese sind rein instrumental und zwischen 2 Minuten 30 und 12 Minuten 40 lang. Eine große Bandbreite also, die dem Hörer hier geboten wird. Die Band um die Mitglieder Nicholas DiSalvo (Elder, delving) Michael Risberg (Elder), Ingwer Boysen, Ben Lubin und Fabien de Menou (Perilymph) kreiert mit ihren Songs ein buntes Bild aus Einflüssen der 60er und 70er Jahre, Jazzelementen und modernem Prog-Rock.

Das Album beginnt mit dem Titel „Versteinert“, der die Tür zur musikalischen Welt der Band öffnet. Es gibt Höhen und Tiefen, laute und leise Töne. Wer sich mit diesem Song anfreunden, kann ist definitiv bereit für den Rest der Platte. Der Übergang zum nächsten Lied „Time Will Paint Another Picture“ ist fließend und man merkt gar nicht, dass die beiden Lieder ineinander übergehen. Aber hier fühlt man schon mehr den Vibe der 60er und 70er Jahre und wie schon angekündigt diverse Jazz Elemente.

Natürlich, bevor man träumen kann, muss man erst einmal einschlafen. Von Titel 3 der „Einschlafphase“ gelangt man zu „Roter Traum“, die erste Single Auskopplung des Albums. Dieser Track ist wesentlich aufregender und eine sehr eingängige Grundmelodie und Riff. Hier kommen mehr Rock-Elemente zum Einsatz und alles wirkt somit noch lebendiger. Auch das Schlagzeugspiel bringt hier einen anderen Stil mit. Vom Traum geht es nach „Woodbury Hollow“, vermutlich ein Gebiet nördlich von London. Es ist mit 2:30 Minuten das kürzeste Lied, besticht aber durch seine Querflötenmelodie, die kulturell tatsächlich an England erinnert.  Nach diesem kurzen Ausflug kommt man zu „Eigengrau“, dem mit 12:40 Minuten noch längeren Titel. Hier spielt die Band durchgehend mit sphärischen und teilweise „außerirdischen“ Klängen, was natürlich sehr gut zum Psycadelic-Rock passt.

„The Slow Wave“ lässt das Album im wahrsten Sinne des Wortes ausklingen. Hier überwiegen etwas die Jazzelemente, die aber durch abwechslungsreiche Gitarrenelemente und Tempowechsel durchbrochen werden. Zum Schluss hin wird die Basslinie präsent und treibt diesen Song bis zum Ende.

Wenn man die Platte von Anfang bis Ende hört, hat man das Gefühl, eine Art Abenteuer erlebt zu haben. Man sollte sie als Kunstwerk betrachten. Viele kleine, laute und leise Elemente, die man wahrscheinlich erst nach dem zehnten Hören bemerkt. Die Vielfalt ist sicherlich eines der wichtigsten Merkmale, das verschiedene Genres in einem vereint. Und auf jeden Fall eine Empfehlung für Neugierige, die vielleicht noch nicht mit diesen Stilrichtungen und rein instrumentalem Prog-/Kraut-„Rock“ in Kontakt gekommen sind.

Die Platte ist als 2LP-Version auf marmoriertem rosa & schwarzem Vinyl im Online-Shop von Stickman Records erhältlich.